Ironman Wales – 7. Frau gesamt, schnellste Amateurin

Die Rennwoche:
Sie fing damit an, dass mein Magen mal wieder ordentlich rebellierte. Marco war von Anfang an der Meinung, dass es nur Psycho ist .. die Angst davor wieder so einen Virus, wie zu Beginn der Saison, kurz vor dem Rennen zu bekommen. Vermutlich hatte er Recht, denn pünktlich am Wettkampfmorgen ging es meinem Magen bestens :).

Tja und dann, dann habe ich mir bei der letzten Radausfahrt vor dem Rennen (Donnerstags) ein Teil aus der Radnabe am Hinterrad gebrochen. Wie ihr euch denken könnt, trug dies nicht zur Beruhigung meines Magens bei ;)! Die einzige Alternative zu nicht starten war ein neues kaufen. Normalerweise freue ich mich ja über neues Material, aber darüber ist die Freude bis heute noch nicht so richtig eingetreten. Aber nicht nur das, es musste ja noch ein Campagnolo Freilauf dran und die Schaltung und Bremsen neu eingestellt werden. Wer ebenfalls ein P5 bzw. die Magura Hydraulik Bremsen fährt, weiß dass das nicht mal eben so gemacht ist. Lange Rede kurzer Sinn, Samstagmorgen gegen 11:00 Uhr hatte ich mein Rad zurück, bis 15 Uhr konnte man einchecken. Ich entschied mich dazu einmal den Berg hoch und wieder runter zu fahren und dann den Mechanikern zu vertrauen (an das Laufrad gewöhnen, Bremsen einbremsen usw. wir ja eh überbewertet ;)).

Das Rennen:
Das Wasser fühlte sich zum Glück nicht ganz so kalt an wie befürchtet (es waren 17 Grad),14500368_10210492046239535_67714862390996037_o dennoch war ich froh, als ich draußen war. Schnell in die Laufschuhe und ab in die Wechselzone joggen (das gibt es nur in Wales ;)). Jetzt kam der spannende Moment, wie läuft mein Rad? Und es war tip top, Laufrad, Bremsen, Schaltung waren wahrscheinlich so gut wie niemals zuvor (Danke Ollie von Pembrokeshire Bikes). Bei km 38 sah ich plötzlich die Führende meiner AK vor mir. Ich war ziemlich verwirrt, da wir schon das ein oder andere Rennen gemeinsam bestritten hatten und ich sie eigentlich immer erst so bei km 100-120 einsammelte (sie schwimmt deutlich schneller als ich). Da ich beim Schwimmen nie eine Uhr trage, fragte ich Marco daraufhin, als ich ihn an der Radstrecke sah, als erstes wie ich denn geschwommen sei. Ich verstand 58 Minuten. 58 Minuten??? Ich hatte mir gedacht, dass mein Schwimmen nicht sooo schlecht gewesen sein kann, aber 58 Minuten, das kann auch nicht sein. Die nächsten 40km, bis ich Marco wieder traf, überlegte ich, was er wohl gesagt haben könnte, was sich so ähnlich anhört wie 58 (man hat ja sonst nichts zu tun ;)). Beim nächsten Treffen versicherte ich mich dann nochmal, ob ich ihn richtig verstanden hatte.

Ansonsten ist man ja, wenn man sich nicht gerade mit Schwimmzeiten beschäftigt, hauptsächlich als Problemmanager unterwegs. Mein erstes Problem ereilte mich so bei km 110, als ich die ersten Männer zur kurzen Pinkelpause anhalten sah. Ich musste auch, nur dummer Weise ist das bei uns Frauen ja nicht ganz so easy. Ich fing also an abzuwägen:
a) Pinkelpause ODER special needs Beutel (das ist ein Beutel in dem man persönliche Nahrung packt, der liegt dann an einem Punkt der Radstrecke und man darf ihn zwischen 2000 anderen suchen) .. für beides war keine Zeit
b) wenn Pinkelpause, dann entweder auf der Radstrecke oder in der Wechselzone!

Bei a) entschied ich mich ganz klar für die Pinkelpause (Futter hatte ich noch), die Entscheidung unter b) fiel mir nicht ganz so leicht. Allerdings ging ich im Kopf die Wechselzone durch. Da fiel mir als erstes dieser Höllenasphalt ein, auf dem man keinen Meter zu viel laufen will, da die Füße sogar mit Socken übelst schmerzen und als zweites meinte ich mich erinnern zu können, dass es kein Dixi auf dem direkten Weg von Radabstellplatz zum Wechselzelt gab. Ich hätte also einen Umweg laufen müssen. Also entschied ich mich für eine Pause auf der Radstrecke. Gerade zu Ende gedacht, sah ich Dixis am Rand stehen. Diese gehörten eigentlich zur Laufstrecke und befanden sich auf einem ziemlich steilen Stück bergab. Ich machte also spontan eine Vollbremsung, gut dass keiner hinter mir war ;)) und eine kleine Pause. Vorteil: das Dixi war noch unbenutzt, laufen tat ja noch keiner :-D!

Wieder auf dem Rad merkte ich, dass diese kleine Pause gar nicht so schlecht war, denn irgendwie rollte es gerade nicht mehr ganz so gut. Also, nächstes Problem managen, glücklicherweise bekam ich auch das mit ein wenig Nahrung einigermaßen in den Griff und ich hatte auch auf den letzten Kilometern wieder Spaß.

14424944_10210492044519492_2020863902032303209_oIn die Wechselzone kam ich dann als erste Altersklassenathletin mit einem komfortablen Vorsprung von 10-15 Minuten. Daraufhin entschied ich mich für einen Sicherheitsmarathon, auf dieser Laufstrecke mit nochmals 480 Höhenmetern kann man eh keine Bestzeit laufen. Ich konnte den Vorsprung noch ein wenig ausbauen und lief somit als 7. Frau gesamt und schnellste Altersklassenathletin ins Ziel. HAPPY!!!

Ich könnte jetzt noch ein Buch schreiben über die landschaftliche Schönheit des Austragungsortes Tenby, die Herzlichkeit der Bevölkerung und ihrem ansteckenden Enthusiasmus für diese Rennen. Damit verschone ich euch, aber eines sei gesagt: Es gibt Ironman und es gibt Ironman Wales. Für alle die dies noch nie erleben konnten, es lohnt sich.

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